Les Grandes Dames de la Méditerranée–
15 Jahre "Wie es ihr gefällt"
(09.-19.11.06 Kulturbrauerei und Passionskirche)

Das Musikerinnenfestival „Wie es ihr gefällt" gehört seit 15 Jahren als zu den herausragenden Veranstaltungsreihen Berlins. Aus der bisher geleisteten Arbeit ist zum Jubiläum 2006 ein neues Konzept entwickelt worden. Les Grand Dames de la Méditerannée – 15 Jahre "Wie es ihr gefällt" stellt einige der in ihrem Heimatland herausragenden, gestandenen Künstlerinnen vor, die an der musikalischen und kulturellen Entwicklung des jeweiligen Landes maßgeblich beteiligt waren und sind. Jede Künstlerin bezieht sich in ihrem Schaffen auf ihre jeweiligen Wurzeln, die musikalischen Genres sind dabei genauso vielseitig wie die Künstlerinnen selbst. Sowohl internationale als auch in Berlin lebende Künstlerinnen werden dabei integriert.

Maria del Mar Bonet (ES) kann als eine der großen Künstlerinnen der mediterranen Musik bezeichnet werden und gehört wohl zu Spaniens international bekanntesten Musikerinnen. Durch eines ihrer wohl bekanntesten Lieder "Què volen aquesta gent" (zu deutsch: Was wollen diese Leute) wurde Maria del Mar Bonet 1970 zur Politbardin und Kulturkämpferin für die in der Francozeit unterdrückten autonomen Kulturen und Sprachen.

Diamanda Galàs (GR)
Wer einmal ein Konzert der Griechin mit dem amerikanischen Pass besucht hat, wird die Eindrücke nicht so schnell vergessen. Eine Stimme zum Fürchten und voller Emotionen. Die eindringlich extremen Vokalperformances, bei denen Galás ihre knapp vier Oktaven umfassende Stimme in mehreren Schichten übereinander legt und teilweise mit Echo und Verzerrer verfremdet, bringen ihr Gastspiele in der ganzen Welt ein. Immer wieder behandelt sie in ihren Kompositionen Themen aus ihrer Heimat.

Souad Massi (DZ)
»Die Wurzeln meiner Musik liegen in Algerien, ganz einfach«, erzählt sie. »Allerdings ist Algerien auch eine Art Treffpunkt vieler Kulturen, wo westliche auf orientalische Musik trifft." Nach eigener Aussage wuchs sie zwar mit Flamenco und Pop auf, aber auch mit Folkrock
und Country. Dafür sang sie später in einer Art Hardrock-Band in Algier, die neben elektrischen Gitarren aber auch die Musiktradition der Gnawa mit aufleben ließ. Eigentlich ist Souad Massi eher eine Art Geschichtenerzählerin als Sängerin, denn alle ihre Lieder gehen von erlebten Geschichten aus.

AYNUR (TR)
Es ist noch nicht allzu lange her, da war es den Kurden und anderen ethnischen Minderheiten in der Türkei verboten, ihre Sprache und Kultur zu verbreiten. Die Sängerin und Musikerin AYNUR nutzt die neuen Freiheiten, die Tradition ihres Volkes selbstbewusst zu repräsentieren und der kurdischen Musik ein modernes Gesicht zu verleihen. Ihre Songs sind Epen und Klagelieder eines unterdrückten Volkes und Ausdruck eines gelebten Schmerzes, eine Art orientalischer Gospel. Es ist der "Dengbejen", eine uralte Kultur, die von anatolischen, mesopotamischen und sogar jüdischen Einflüssen geprägt ist.

Reem Kelani (Palästina)
Egal, ob sie zu einem palästinensischen Cante Jondo anhebt, ob sie Jazz-Klassiker oder Lili Marleen auf Arabisch intoniert, ob sie persische Tschah-Tschahi-Bulbuli-Sequenzen perlen lässt; ob sie komponiert, textet, unterrichtet, oder Radiosendungen produziert: Reem Kelani, die 1964 in Manchester geborene und in Kuwait aufgewachsene palästinensische Sängerin kann fast alles. Für ihren Auftritt auf der neuesten CD des israelischen Saxofonisten Gilad Atzmon ("Exile") wurde sie von britischen Jazz-Kritikern (John Fordham, The Guardian) in den höchsten Tönen gelobt. Die BBC nominierte die CD für den World Music Award 2003.

Sapho (MA)
Die Geschichte des neuen Programms der in Marokko geborenen Sängerin und Dichterin Sapho begann mit ihrem Buch Un trés Proche-Orient, das über 100 Beiträge von Autoren, Dichtern, Philosophen und Psychoanalytikern aller Nationen umfasst, die sich mit dem Konflikt im Mittleren Osten auseinander setzen. Aus der Vertiefung der Zusammenarbeit mit dem Nazareth Orchester, das aus arabischen und jüdischen Musikern besteht, die auf alten Instrumenten aus dem Raum des Mittleren Ostens spielen, entstand Saphos neues Programm: gleichermaßen ein politisches Statement wie ein eindrucksvoller Balance-Akt zwischen traditioneller östlicher Musik und Elektronik.

Angelique Ionatos (GR)
Angélique Ionatos, 1954 in Athen geboren, verlässt ihr Land im Jahre 1969, um der Militärdiktatur zu entkommen und lässt sich erst in Belgien und schließlich in Frankreich nieder. . „Ich bin wie die Olivenbäume," erklärte sie einst dem Magazin Chorus, „Je älter sie werden, desto mehr kommen ihre Wurzeln zum Vorschein!" Zugleich tragisch und sinnlich, ernst und zart, spielt Angélique auf ihrer Gitarre Akkorde, die mit der Zeit zunehmend griechische Töne und Farben annehmen. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen verlässt Angélique ihre Muttersprache, um auf spanisch Auszüge aus dem Tagebuch der mexikanischen Malerin Frida Kahlo zu interpretieren.

Sir Alice (F)
Sir Alice, früher Sängerin bei Nouvelle Vague, ist eine echte Vollblutperformerin. Ihre Liveauftritte sind Kunstperformances, in denen sie mit allen musikalischen Stilen, Kostümen und Bühnenbildern spielt. Ob Punk, Rock oder Elektro, sie ist immer extrem, powervoll,
unbändig. Ihre erste EP erschien bei Tigersushi, als nächstes wird sie mit Chicks on Speed Records zusammenarbeiten.

Badi Assad (BR)
"In meiner Musik geht es vor allem um Leidenschaft". Deshalb kommen die Werke der brasilianischen Sängerin / Gitarristin / Komponistin auch "always mysteriously beautiful" daher. Sie verarbeitet brasilianische Traditionals, eigene Kompositionen und Coverversionen von Björk, U2 und Yann Thiersen zu einem wirkungsvollen Musica Popular Brasileira-Mix.

Unterstützt werden die großen Damen von nicht minder verheißungsvollen Newcomerinnen u.a. der Spanierin Laura Lopez Castro, Anat und den Spinster Sisters aus Israel.

Ein Abend gehört ganz der Neuen Musik, Chyoko Szlavnics aus Serbien/Montenegro und Ellen Fricke (Berlin) stellen ihre neuesten Kompositionen vor. Ein weiterer Abend ist mit „Larry Peacock" und „Kingz of Berlin" ganz dem Transgender gewidmet.

Die Organisatoren
Angela von Tallian und Inge Morgenroth gehören zu den Gründerinnen von „Wie es ihr gefällt".
Inge Morgenroth war 1995-2000 Mitglied des Ensembles für neue Musik „Zwischentöne" als Saxophonistin und Performerin. Sie schuf Musik für Tanz, Installationen, Hörspiele und Film und Arbeiten für DeutschlandFunk Köln, DRadio Berlin und Bayerischen Rundfunk , WDR, RBB. 2004/5 war sie Artist – in – residence auf der HÖGE , Internationale Künstlerinnenstiftung. 1991 initiierte sie das Festival „Wie es ihr gefällt".
Die Soziologin und Architektin Angela von Tallian wirkte in zahlreichen internationalen Kulturprojekten in Kambodscha, Ägypten, Dänemark und der Schweiz als Projektmanagerin und Networkerin mit. Sie gewann Architekturpreise und beschäftigt sich mit ökologischem Bauen. Bei „Wie es ihr gefällt" war sie seit1991 regelmäßig als Organisatorin dabei.
Der KULTURBRAUEREI e.V. arbeitete 10 Jahre auf dem Gelände der KulturBrauerei und hat sich in dieser Zeit ein langjähriges und vielseitiges Know-How in der genreübergreifenden Kulturarbeit erworben. Zentrales Thema ist das Treffen mit anderen Kulturen, die Auseinandersetzung mit fremden Lebensweisen, Sitten und Gebräuchen und daraus folgend ein offenerer, bewusster Umgang mit ausländischen Mitbürgern und dem Abbau von aufkeimendem Fremdenhass.
Deshalb hat sich der KULTURBRAUEREI e.V. Schwerpunkte gesetzt:
- Multikulturelle, interdisziplinäre Kulturprojekte mit regional-geografischen Schwerpunkten (Osteuropa, Frankreich, frankophones Afrika, Spanien und Lateinamerika)
- genreübergreifende Festivals
- Förderung junger Kunst und Kultur
- Neue Musik
Diese Schwerpunkte sind unmittelbar miteinander verknüpft und fördern Zusammenarbeit und Begegnungen. Die Events werden von Workshops und Symposien begleitet, die eine intensivere Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema fördern und so eine kompakte und tiefe Erfahrung ermöglichen. Hierbei überwiegt wie in der Vergangenheit der nichtkommerzielle Ansatz. Der nichtkommerzielle Ansatz ermöglicht die Unterstützung innovativer, außergewöhnlicher Projekte nationaler und internationaler Künstler jenseits des Massengeschmacks.
Die Struktur des Vereins hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. 2003 übernahmen die Kulturmanagerinnen Katja Lucker und Uta Rügner den Vorsitz des Vereins. Zusammen mit dem Mitglied Susann Treubrodt, ebenfalls Kulturmanagerin (ehemals Pfefferberg) und der Filmemacherin und Videokünstlerin Bea Be realisieren sie seitdem Projekte im internationalen Kontext.

Partner und Unterstützer
Die Botschaften und Kulturinstitute der vertretenen Länder sollen das Projekt mit Reisekosten- und Unterbringungszuschüssen unterstützen. Die Landesfluggesellschaften sollen als Sponsoren angefragt werden. Das französische Bureau Musique de l’exporte und das Spanische Exportbüro haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Eine feste Medienpartnerschaft gibt es mit Deutschlandradio Köln in Form eines Gesamtmitschnitts. Angesprochen werden noch RBB Radio Multi Kulti, Deutsche Welle TV, Tagesspiegel, Zitty, Jazzthings/Blue Rhythm und das Internetportal Galileo MC.
Die türkische Plattenfirma PLAK Music würde einen Zusammenschnitt des Festivals gerne als Compilation veröffentlichen.