Kirina

09.04.19, 19:00 Uhr,
SERGE AIMÉ COULIBALY / ROKIA TRAORÉ / FELWINE SARR,
Burkina Faso, Mali, Senegal
[HAU2]

Serge Aimé Coulibaly ließ sich bei der Kreation von Kirina von seinem afrikanischen Hintergrund und seinen Betrachtungen auf die Welt von heute inspirieren. Das Stück, das den Namen einer für Westafrika bedeutenden Schlacht des Mandinkavolkes im 12. Jahrhundert trägt, ist nicht die Nachstellung dieses historischen Ereignisses und auch keine Performance afrikanischer Künstler*innen über Afrika, sondern eine Erzählung von Coulibalys gegenwärtiger, globalisierter Realität. Es geht um Menschen in Bewegung; Ereignisse, die Migrationsströme auslösen und steuern und ihren Einfluss auf die Gesellschaft(en).

Die Ursprungsidee zu diesem Stück brachte die sogenannte europäische Flüchtlingskrise von 2015, deren menschenverachtende Beschreibung und Klassifizierung Coulibaly tief berührten.

Ein weiterer Auslöser war der vom senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr verfasste und vieldiskutierte Langessay „Afrotopia“, der ein neues Bild von Afrika entwirft. Sarr lieferte das Libretto für Kirina.
Von Rokia Traoré, international bekannte Musikerin aus Mali, stammt die zeitgemäß arrangierte Musik der Mandinka.

Dauer: 90 min

Im Anschluss Artist Talk mit Serge Aimé Coulibaly (Moderation: Arlette-Louise Ndakoze)



Konzept, Choreografie: Serge Aimé Coulibaly
Komposition, musikalische Leitung: Rokia Traoré
Libretto: Felwine Sarr
Dramaturgie: Sara Vanderieck
Assistenz Choreografie: Sayouba Sigué
Bühne: Catherine Cosme
Kostüm: Salah Barka
Lichtdesign: Nathalie Perrier
Video: Eve Martin
Tanz: Marion Alzieu, Ida Faho, Jean‐Robert Koudogbo Kiki, Ali Ouédraogo, Antonia Naouele, Adonis Nebie, Daisy Phillips /Giulia Cenni, Issa Sanou, Sayouba Sigué, Ahmed Soura
Text: Ali ‘Doueslik’ Ouédraogo
Musik: Aly Keita (Balafon), Saïdou Ilboudo (Percussion), Mohamed Kante (Bass), Yohann Le Ferrand (Gitarre)
Gesang: Naba Traoré, Virginie Dembélé
Extra: 20 lokale Statist*innen
Video- und Bühnentechnik: Jérémy Vanoost
Tontechnik: Ralph M’Fah-Traoré
Lichttechnik: Hermann Coulibaly
Administration: Lies Martens
Produktionsleitung: Eline Vanfleteren, Laure Louvat, Hanna el Fakir

Eine Produktion der Faso Danse Théâtre und der Ruhrtriennale in Koproduktion mit Festival de Marseille, Kampnagel Hamburg, La Villette Paris, les ballets C de la B, Théâtre National Wallonnie Bruxelles, Romaeuropa Festival, De Grote Post Oostende, Kunstencentrum Vooruit Gent, La Rose des Vents Villeneuve d’Ascq, ExtraPôle Provence Alpes Côte d’Azur.

In Kooperation mit Lux aeterna.

Mit Dank an Ankata (Bobo Dioulasso, Burkina Faso), Fondation Passerelle (Bamako, Mali).
Gefördert durch die Federation der Wallonie-Brüssel, Wallonie-Brüssel International En Taxshelter Belgien.


Serge Aimé Coulibaly zählt zu den engagiertesten afrikanischen Choreografen seiner Generation. Er steht für die Zukunft eines Tanzes, der klar politisch Position bezieht und sowohl in Afrika als auch international Beachtung findet. Nach seinen Anfängen bei der Compagnie Feeren in Burkina Faso entwickelt er mit seiner Compagnie Faso Danse Théâtre eigene Stücke, in denen er sich vorrangig mit politischen Bewegungen Afrikas sowie den Schwierigkeiten des Alltags auseinandersetzt. Zuletzt war von ihm „Nuit Blanche à Ouagadougou“ in Berlin zu sehen, eine packende Choreografie über den Volksaufstand 2014 in Burkina Faso. Coulibaly lebt in Belgien und Frankreich, er hat neben vielen anderen mit Alain Platel und Sidi Larbi Cherkaoui zusammengearbeitet.

Felwine Sarr, ausgebildet in Dakar, Senegal und Orléans, ist heute Dekan an der Fakultät für Ökonomie und Management an der Universität Gaston Berger von Saint-Louis im Norden Senegals. Ferner gibt er das Journal of African Transformation heraus und gründete 2016 mit Achille Mbembe die Ateliers de la Pensée, eine Vereinigung von Wissenschaftler*innen und Künstler*innen für intellektuelle Debatten in Afrika.
2018 verfasste Sarr zusammen mit der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy im Auftrag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron einen Bericht über die Restitution des afrikanischen Kulturerbes und ist seitdem auch in Deutschland ein gefragter Podiumsgast.

Rokia Traoré, geboren 1974 in Kolokani, Mali, nahm bereits in ihrer Schulzeit gegen den Willen der Eltern Gesangsunterricht. Aufgrund des diplomatischen Dienstes ihres Vaters wurde sie außerhalb Malis vielfältig musikalisch beeinflusst. Prägend war zudem die Begegnung mit Ali Farka Touré, der für sie eine Art Mentor wurde. Ihr 1998 erschienenes Debütalbum Mouneïssa wurde auch in Europa ein Erfolg, seitdem hat sie fünf weitere Werke veröffentlicht. Rokia Traoré bezeichnet ihren Stil als „zeitgenössische malische Musik“, sie singt vorrangig in ihrer Muttersprache Bambara und widmet sich überwiegend sozialen Themen.

 

Fotos © Philippe Magoni